Landwerk Halbe

Art der Stätte
Reguläre Hachschara
Kurzbeschreibung
Bereits 1919 wurde in Halbe eine Konkurs gegangene Ziegelei und das dazugehörige Gelände von rund 90 Morgen Land von einer jüdischen Siedlungsgenossenschaft zum Zwecke der Berufsumschichtung jüdischer Jugendlicher und junger Erwachsener erworben. Teil der geplanten jüdischen Mustersiedlung war zudem ein Landerziehungsheim, in dem vor allem jüdische Waisenkinder schon früh an ländliche Verhältnisse gewöhnt werden konnten. Die landwirtschaftlichen Praktikant:innen kamen vor allem aus dem jüdischen Wanderbund Blau-Weiß. Aus finanziellen Gründen wurde das Landschulheim bereits 1924 geschlossen, zwei Jahre später stellte auch die Mustersiedlung den Betrieb ein.
1934/35 erwarb der Diplomlandwirt Friedrich Perlstein das Gelände, um eine landwirtschaftliche Ausbildungsstätte zu errichten. Das Landwerk Halbe wurde im Frühjahr 1935 als Institution für die Mittleren-Hachschara gegründet und stand unter der Obhut des Makkabi Hazair, die Leitung des Landwerkes hatte Perlstein inne.
Im Schnitt lebten und arbeiteten 40–65 Jugendliche in Halbe. Während die Jungen in allen Bereichen der Land- und Viehwirtschaft sowie im Gartenbau ausgebildet wurden, oblag den Mädchen die Haus- und Milchwirtschaft, sowie die Kleintierwartung und der Gartenbau.
In Folge der Novemberpogrome 1938 wurden die Einrichtungen und Gebäude des Landwerks Halbe schwer beschädigt und die Hachschara-Stätte geschlossen. Die verbliebenen Gebäude wurden in den letzten Kriegstagen im April 1945 weitestgehend zerstört und 1957 wiederaufgebaut. Heute dient das ehemalige Hauptgebäude als Wohnhaus.
Zugehörige Organisationen
Zugehörige Personen
Quellen und Hinweise
Prospekt des Landjugendheims der Jüdischen Siedlungsgenossenschaft G.m.b. H. in Halbe (Mark) [1919]
Literatur
Knut Bergbauer: „Auf eigener Scholle“. Frühe Hachschara und jüdische Jugendbewegung in Deutschland, in: Ulrike Pilarczyk; Arne Homann; Ofer Ashkenazi (Hrsg.), Hachschara und Jugend-Alija. Wege jüdischer Jugend nach Palästina 1918-1941, Steinhorster Beiträge zur Geschichte von Schule, Kindheit und Jugend. Gifhorn: Gemeinnützige Bildungs- und Kultur GmbH des Landkreises Gifhorn 2020. S. 23–53.

Friedrich Perlstein: Aus der Praxis des landwirtschaftlichen Ausbildungsbetriebes, in: Reichsvertretung der Juden in Deutschland (Hrsg.), Vor der Berufswahl. Ein Wegweiser für jüdische Eltern und Kinder. Berlin 1938. S. 114–119. online: <https://portal.dnb.de/bookviewer/view/1032703180#page/114/mode/2up>

Hans-Dieter Schmid: Jüdische Mustersiedlung und Landerziehungsheim Halbe (1919–1926) und Hachschara-Lager Landwerk Halbe (1934–1938). Hannover 2017. S. 105–109.

Empfohlene Zitation

Wiebke Zeil, Landwerk Halbe, in: Hachschara als Erinnerungsort. <https://hachschara.juedische-geschichte-online.net/ort/78> [28.07.2026].

Adresse

Teupitzer Str. 13
15757 Halbe

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