Jessen-Mühle

Type of Hakhshara
regular Hakhshara
Abstract
1937 wurde Jessen-Mühle nur unweit von Schniebinchen gegründet und unterstand dem Makkabi Hazair. Die ehemalige Wassermühle gehörte der Familie Lichti, die diese 1937 an die Jugend-Alija verpachtete. Im Rahmen der sogenannten Polenaktion wurden mehrere Auszubildende Ende Oktober 1938 in Jessen-Mühle verhaftet. Eine weitere Verhaftungswelle im Zuge der Novemberpogrome 1938 gab es jedoch nicht. Hingegen fanden Jugendliche anderer, betroffener Hachscharot in den folgenden Wochen hier Zuflucht. Die Leitung des Betriebes übernahmen (zeitweilig) der Lehrer Hans-Wolfgang Cohn sowie ab 1939 Gertrud Weil, die zuvor eine Hachschara-Gruppe in der Gartenbauschule Ahlem geleitet hatte. Die Zahl der Auszubildenden betrug zwischen 60 bis 75 Personen. Einer der bekanntesten Auszubildenden war Hans Rosenthal – später Regisseur und Entertainer im westdeutschen Fernsehen und Radio –, der im Frühjahr 1940 nach Jessen kam. Am 31. August 1941 wurde die Hachschara-Stätte Jessen-Mühle offiziell geschlossen. Die noch verbliebenen Jugendlichen und Angestellten mussten entweder im Gutsbetrieb Zwangsarbeit leisten oder wurden in das ehemalige Landwerk Neuendorf, nun Zwangsarbeitslager, zwangsverlegt.
Nach Kriegsende blieb das Gebäude unbewohnt und verfiel zusehends. In den 60er-Jahren wurden die Reste der Ruine abgerissen.
Related Organizations
Related Persons
Weil, Gertrud (Madrich:a)
Literature
Wolf Gruner: Die Arbeitslager für den Zwangseinsatz deutscher und nichtdeutscher Juden im Dritten Reich, 2. Kapitel. Zu den Lagern der Reichsvereinigung (ab 1941 Arbeitslager) im deutschen Reich, in: Gedenkstättenrundbrief 79 (1997). pp. 3–17. online: <https://www.gedenkstaettenforum.de/uploads/media/GedenkstaettenRundbrief-79-03-17.pdf>

Andreas Paetz; Karin Weiss: Auf Hachschara in Brandenburg. Stätten jüdischer Berufsausbildung in der früheren Provinz Brandenburg, in: Andreas Paetz; Karin Weiss (eds.), „Hachschara“. Die Vorbereitung junger Juden auf die Auswanderung nach Palästina. Potsdam: VBB, Verlag für Berlin-Brandenburg 1999. pp. 47–88.

Claudia Schoppmann: „Glückliche Inseln“? „Auf Hachschara“ in Schniebinchen und Jessen in der Niederlausitz, in: Rainer Ernst; Kreismuseum Finsterwalde; Verein der Freunde und Förderer des Kreismuseums Finsterwalde e.V. (eds.), „Gestern sind wir gut hier angekommen.“, Beiträge zur jüdischen Geschichte in der Niederlausitz, Der Speicher - Jahresschrift des Kreismuseums Finsterwalde und des Vereins der Freunde und Förderer des Kreismuseums Finsterwalde e.V. Zittau und Görlitz: Gunter Oettel 2005. pp. 152–168.

Recommended Citation

Wiebke Zeil, Jessen-Mühle, in: Hakhshara as a Place of Remembrance. <https://hachschara.juedische-geschichte-online.net/en/site/51> [July 07, 2026].

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