Belzig

Type of Hakhshara
regular Hakhshara
Closed
March 1934
Abstract
Die Hachschara-Stätte wurde in Teilen eines 1912 errichteten Gebäudes in Betrieb genommen, das zunächst als Heim für schulentlassene Waisen erbaut, 1928 jedoch geschlossen wurde. 1932 verpachtete der Träger des Heims, die Emil-und-Martha-Kaufmann-Stiftung, Teile der Villa an den Gau Brandenburg des Reichsverbands für Deutsche Jugendherbergen e.V.. Keller und Dachgeschoß sowie ein größeres Gartengrundstück wurden dem Hechaluz zur Verfügung gestellt. Auf einer Fläche von rund 5 Morgen Land wurde Obst- und Gartenbau betrieben, die jungen Frauen wurden zudem in Hauswirtschaft ausgebildet. Insgesamt verfügte die Hachschara-Stätte über circa 20 Ausbildungsplätze.
Als Madrich der Gruppe war Hans Heimann (Chanan Heymann), der u.a. Mitglied im Habonim Noar Chaluzi und dem Hechaluz war und 1930–1931 an der landwirtschaftlichen Ausbildung in Gut Winkel teilgenommen hatte, eine der entscheidenden Personen für diese Hachschara-Stätte. 1933 gelang Heimann und mehreren Chaluzim und Chaluzot aus Belzig die Alija. Später lebte er im Kibbuz Dorot, zu dessen Gründern er gehörte.
Als ab 1933 die Jugendherbergsleitung nationalsozialistische Arbeitsdienstgruppen mit ins Haus aufnahm, begann die antisemitische Hetze gegen die Hachschara-Teilnehmer:innen. Sowohl Arbeitsdienst- wie Jugendherbergsleitung wandten sich an verschiedene Stellen wie das Geheime Staatspolizeiamt im Polizeipräsidium Berlin, mit dem Ziel, die jüdischen Jugendlichen aus dem Haus zu verdrängen. Neben vermeintlich ordnungswidrigem Verhalten und unzüchtiger Kleidung brachte man vor allem den Vorwurf des Kommunismus ins Spiel. Im März 1934 wurde die Hachschara-Stätte aufgelöst. Einige der Chaluzim und Chaluzot setzten ihre Ausbildung in Memel fort, bevor ihnen die Alija gelang.
1954 wurde in dem Gebäude das Internat der Belziger Geschwister Scholl-Oberschule eingerichtet. 2010 wurde während der Sanierung im Bereich des Dachbodens ein verstecktes Konvolut von Zirkularen der jüdischen Jugendbewegung aus der Zeit der Hachschara gefunden. Inzwischen wird das Haus vom Kinderförderverein Wir e.V. genutzt.
Related Organizations
Sources and Notes
Letters regarding the training of the Hechalutz Jewish youth, written by the local police in Belzig and Berlin, 1933-1934, in: Yad VaShem Archives, O. 8 – Germany Collection, File Number 604 ( https://collections.yadvashem.org/en/documents/8431951 )
https://brandenburg-33.de/badbelzig/
Literature
Hubertus Fischer: Das jüdische Umschulungslager Belzig. Hechaluz-Ausbildungsstätte zwischen Neuanfang und Verdrängung 1932–1934, in: Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte 28 (2018). pp. 99–123.

Chanan Heimann: Kibbuz Dorot, in: 60 Jahre „Habonim“ Deutschland. Yad Tabenkin (Ramat Efal) n.d. p. 33ff.

Helga Kästner; Benjamin Stamer; Belziger Forum (eds.): Jüdisches Leben im ländlichen Raum. Spurensuche in der Region Bad Belzig 1933-1945. Berlin: Treibgut Verlag 2019.

Thomas R. Kersting et al.: Hachschara im Hohen Fläming – ein Dach„Bodenfund“ aus Belzig, PM, in: Archäologie in Berlin und Brandenburg (2019). online: <https://www.academia.edu/48894197/Hachschara_im_Hohen_Fl%C3%A4ming_ein_Dach_Bodenfund_aus_Belzig_PM>

Recommended Citation

Wiebke Zeil, Belzig, in: Hakhshara as a Place of Remembrance. <https://hachschara.juedische-geschichte-online.net/en/site/45> [July 28, 2026].

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Weitzgrunder Weg 23/25
14806 Bad Belzig

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