Landwerk Ahrensdorf

Also Known As
Landwerk Ahrensdorf bei Trebbin
Type of Hakhshara
Youth Aliyah preparation, Middle Hakhshara (Mi-Ha), regular Hakhshara
Founded
1936
Opened
October 21, 1936
Closed
1941
Operating Area
30 hectare
30 Hektar Pachtgelände inklusive Jagdhaus, Gärtnerei, Obstplantagen sowie weitere landwirtschaftliche Nutzflächen und Wald
Areas of Training Offered
horticulture, agriculture, animal husbandry
Gärtnerei (Gemüse, Bäume, Pflanzen); Viehzucht (Rinder, Schafe, Ziegen, Pferde); Geflügelzucht (Hühner, Gänse, Puten, Enten), Werkstatt (Elektriker-, Schlosser- und Tischlerarbeiten)
Description
Im sogenannten Jagdschlösschen Berdotaris sowie auf dem dazugehörigen Landgut, das davor eine längere Zeit ungenutzt war, wurde 1936 im heutigen Ortsteil der Gemeinde Nuthe-Urstromtal, kurz vor der Stadt Trebbin und ca. 30 Kilometer von Berlin entfernt, das Landwerk Ahrensdorf errichtet. Mehr als 300 jüdische Jugendliche und Kinder wurden hier zwischen 1936–1941 auf ein Leben in Palästina vorbereitet. Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland (Abteilung Berufsausbildung und Berufsumschichtung) pachtete das Jagdhaus sowie das 30 Hektar große Land von Walter Metz, einem Samengroßhändler aus Berlin. Er hatte das Haus „Berdotaris“ nach seinen Töchtern Berta und Dora benannt.
In Ahrendsdorf waren 60 Plätze für Jungen und 20 für Mädchen vorhanden, die sie zuerst selbst einrichten mussten. Die Mädchen waren im Hauptgebäude in vier Schlafräumen untergebracht, die Jungen in einem Nebengebäude (ursprünglich Lagerräume) in zwei Schlafräumen. Die Jugendlichen kamen unter anderem aus Berlin, Breslau, Köln, Leipzig, Hamburg oder Stettin. Ende 1938 kam auch eine Gruppe aus Wien nach Ahrensdorf.
Erster Leiter in Ahrensdorf war Hans Winter, der die Ausbildungsstätte zusammen mit den Jugendlichen einrichtete und bis 1938 deren Leiter blieb. Er hatte Unterstützung von einem Angestellten, zwei jüdischen Gärtnern sowie mehreren Wirtschaftsleiterinnen. Die Gesamtausbildung wurde überwacht und durch regelmäßigen landwirtschaftlichen Unterricht von Martin Gerson und Dipl.-Landwirt Friedrich Perlstein gefördert.
Die Jungen wurden vorrangig in der Landwirtschaft ausgebildet, während die Mädchen Hauswirtschaft erlernten. Der Tagesablauf der Jugendlichen bestand aus Frühsport, einem Morgenappell sowie praktischem Unterricht am Vormittag und theoretischem Unterricht am Nachmittag. Die Jugendlichen wählten einen Rat (Waad), welcher Einfluss auf die Freizeit- und auch Arbeitsgestaltung hatte. Durch ihn sollten die Jugendlichen auch bereits die selbstverwaltenden Strukturen eines Kibbuz kennenlernen.
Das Gelände umfasste Felder und Wiesen, ebenso waren Treibhäuser, eine Gärtnerei, Obstplantagen und Gemüsegärten sowie Waldgelände vorhanden. Auch eine Werkstatt für Elektriker- und Schlosserarbeiten war vorhanden, ebenso ein Sportplatz. In den Jahren 1936–1938 kam der Bürgermeister von Ahrensdorf und pflügte mit seinen Pferden die Felder im Landwerk, im Gegenzug halfen ihm Jugendliche aus Ahrensdorf bei seiner Ernte. Bis 1938 bestand ein Verhältnis und ein Umgang ohne Anfeindungen.

Im Herbst 1938 verließ eine erste Gruppe Ahrensdorf in Richtung Palästina, eine weitere in Richtung Schweden. Dort sollte die Ausbildung weitergeführt und von Schweden aus die Einwanderung nach Palästina erfolgen.
Noch vor den Novemberpogromen wurden am 29. Oktober 1938 acht Jugendliche unerwartet von uniformierten Polizisten, die von Zivilisten begleitet wurden, mit einem LKW aus Ahrensdorf geholt. Erst später erfuhren die in Ahrensdorf verbliebenen Jugendlichen, dass ihre Kamerad:innen zu den über 15.0000 Juden und Jüdinnen gehörten, die im Rahmen der „Polenaktion“ ausgewiesen und mit Gewalt an die Grenze zu Polen verschleppt wurden, mit dem Ziel sie über diese abzuschieben.
Kontrollen und Überprüfungen waren im Landwerk zu dieser Zeit an der Tagesordnung. Dank einer Warnung durch den Gendamerie Hauptwachtmeister konnten sich am 9. November 1938 die Chaluzim in Ahrensdorf im Hauptgebäude vor einem geplanten Überfall schützen. Doch auch in den nachfolgenden Jahren kam es immer wieder zu Drangsalierungen und „Besuchen“ der Gestapo. Das Klima in Ahrensdorf änderte sich: viele der Jugendlichen lebten in Furcht, die Aufenthaltszeiten der Jugendlichen im Landwerk verkürzten sich, da aufgrund der zunehmend bedrohlichen Situation das Bemühen beschleunigt wurde, das Land zu verlassen.

Da 1939 für Ahrensdorf Ablieferungspflichten eingeführt und Lebensmittel rationiert wurden, wurde auch in diesem Hinblick die Lage in Ahrensdorf zunehmend schwieriger. Zuvor konnten die Teilnehmer:innen durch ihre eigenen Erzeugnisse vom Hof gut ernährt werden. Hinzu kam, dass sich ab 1940 auch die Bevölkerung zunehmend verschloss, was die Nahrungsbeschaffung extrem erschwerte.
In Folge der Novemberpogrome entschied sich der Hechaluz, in Absprache mit Institutionen des Yishuw und Billigung durch die Gestapo, zur Vorbereitung der illegalen Alija. In Deutschland firmierten diese Versuche als „Sonderhachschara“, andernorts als Alija B(et). Auch Ahrensdorfer Chaluzim waren Teilnehmer*innen verschiedener Transporte der Sonderhachschara (SH) nach Palästina. Ruth Effenberger, die mit der SH7 bis Haifa gekommen war, ertrank beim Untergang der „Patria“ im Haifaer Hafen. Andere Ahrensdorfer:innen, deren Transport über die SH5 in Jugoslawien stoppte, wurden 1941 dort ermordet.

Im Mai 1941 begann die Auflösung von Ahrensdorf bis sie im Oktober komplett geräumt und das Gebäude der Eigentümerfamilie wieder übergeben wurde. Die sich noch in Ahrensdorf befindlichen Jugendlichen wurden in das Sammellager Neuendorf im Sande (bei Fürstenwalde) gebracht, weitere Jugendliche im Januar 1942 in das Sammellager Paderborn, nachdem sie in Ahrensdorf Aufräumarbeiten verrichten mussten. Sie wurden gemeinsam mit den Jugendlichen aus Neuendorf 1943 nach Auschwitz deportiert.

Bisher konnten 302 Mädchen und Jungen ermittelt werden, die zur Hachschara in Ahrensdorf waren, wovon 137 nach Palästina sowie wenige weitere nach England, Schweden oder Dänemark kamen. 75 von ihnen wurden in die Lager nach Auschwitz, Theresienstadt, Riga und Majdanek deportiert. Nur 37 von ihnen haben überlebt, von 59 Jugendlichen ist weiterhin nichts bekannt. Dass diese Zahlen und auch generell viele Informationen zur Hachschara-Stätte Ahrensdorf und ihren beteiligten Personen vorliegt und ihre Geschichte so gut erforscht ist, ist der langjährigen Arbeit von Ruth und Herbert Fiedler zu verdanken. Das Ergebnis ihrer Arbeit ist ein umfassendes Forschungsarchiv, das 2014 an das Kreisarchiv Teltow-Fläming übergeben wurde. Ebenso riefen sie 1993 einen Förderverein ins Leben, der sich für eine Internationale Begegnungsstätte Hachschara – Landwerk Ahrensdorf einsetzte. Damit sollte eine Stätte der Begegnung und Bewahrung des Erbes der Hachschara Ahrensdorf geschaffen werden. 1997 wurde auf ihre Initiative hin eine Erinnerungsstele vor dem Jagdschloss errichtet und die bis heute vor dem Gebäude, welches sich heute in Privatbesitz befindet, steht.
State of Conservation
partially preserved

Haupthaus (Jagdschlösschen) im Original erhalten, sonstige bauliche Veränderungen

Related Organizations
Related Persons
Posnanski, Artur (director)
Horn, Richard (associated)
Schwersenz, Jizchak (Madrich:a)
Treufeld, Werner (Trainer)
Winter, Hans (director)
Smulewitz, Seew (Trainer)
Sources and Notes
Herbert Fiedler: Auf Hachschara in Ahrensdorf - eine Brücke zum Leben, in: Irene Diekmann; Julius H. Schoeps (eds.), Wegweiser durch das jüdische Brandenburg. Berlin: Edition Hentrich 1995. pp. 372–380.

Eintrag Denkmale in Brandenburg ( https://ns.gis-bldam-brandenburg.de/hida4web/view?docId=obj09105671.xml )

Recommended Citation

Nina Zellerhoff, Landwerk Ahrensdorf, in: Hakhshara as a Place of Remembrance. <https://hachschara.juedische-geschichte-online.net/en/site/2> [April 05, 2025].

Address

Löwendorfer Str. 25
14947 Nuthe-Urstromtal

Historical Region

Province of Brandenburg

Map

External Information

http://www.hachschara-ahrensdorf.de/html/body_foerderverein.html